Teen Darwaza by Milan Chauhan via Unsplash

Ahmedabad Teil 2

Als ich den Artikel zu Ahmedabad geschrieben habe, musste ich feststellen, dass ich daraus einen Roman hätte schreiben können. Deshalb habe ich beschlossen, zwei Teile zu verfassen. Nachdem ich letztes Mal vom Sightseeing geschwärmt habe, fokussiere ich mich in diesem Artikel mehr auf das gastronomische Angebot der Stadt. Allerdings muss ich euch noch eine letzte touristische Attraktion ans Herz legen, die nur indirekt etwas mit Gastro zu tun hat, den Heritage Walk:

Heritage Walk in Ahmedabad

Altstadt von Ahmedabad Zentrum

Wie ich in Teil 1 schon erwähnt hatte, wurde die Altstadt von Ahmedabad 2017 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Ich habe mir bei meinem ersten Besuch in der Stadt meinen indischen Kumpel Parth geschnappt und mit ihm eine kleine Walking Tour auf eigene Faust unternommen, denn er hatte Ahmedabad selber noch nie richtig besichtigt. Wir waren beide total beeindruckt. Die alten Häuser dicht an dicht, die engen labyrinthartig angelegten Gassen dazwischen und die ursprüngliche Substanz… Wie eine eigene Welt. Die Altstadt war ursprünglich in kleineren Nachbarschaften („Pols“) organisiert, welche sich jeweils einen eigenen kleinen Innenhof teilten, wiederum gekennzeichnet durch eine große Vogeltränke („Chabutro“) und jeweils einer religiösen Stätte. Die Innenhöfe sind durch kleine Gassen („puras“) miteinander verbunden, manche führen aber auch in Sackgassen. Es gibt Legenden von Dieben und Kleinverbrechern, die im Labyrinth der Puras geflüchtet sind oder sich in den verwinkelten Gassen versteckt haben, um unerkannt zu bleiben. Als Felix und ich das letzte Mal in Ahmedabad waren, haben wir mitten in der Altstadt gewohnt und uns tatsächlich das ein oder andere Mal total verirrt.

Wir haben uns bei unserem Besuch 2019 dann auch für eine offizielle Führung angemeldet. Sie findet täglich um 7:30 statt und dauert 3 Stunden. Man kann ohne Voranmeldung direkt gegen 7:15 zum Treffpunkt kommen und sich vor Ort anmelden. Ausländer zahlen 300 Rupien, was umgerechnet etwa 4 Euro sind. Die Führung wird von Freiwilligen (meist Studenten) durchgeführt und ist super recherchiert. Diese Tour kann ich allen Ahmedabad-Besuchern nur absolut ans Herz legen, sie lohnt sich sehr (Infos auf der Webseite der Tour)!

Warum erwähne ich sie hier und nicht in meinem Sightseeing-Teil? Weil der Preis der Walking Tour ein Essen in einem Restaurant enthält, das am Ende des Spazierganges besucht wird. Es gibt dort echte Gujarati Speisen und super leckeres Jalebi. Wir hätten dieses Restaurant nie selber ausfindig gemacht, wir hätten aber echt was verpasst, wenn wir nicht dort gewesen wären. Deshalb finde ich es super, dass es der finale Teil der Tour ist.

Altstadt in Ahmedabad Frau
Altstadt in Ahmedabad Treppe
Altstadt in Ahmedabad Bücher

Manek Chowk Street Food Market

Manek Chowk Street Food Markt in Ahmedabad

Tagsüber ist Manek Chowk ein typischer indischer Markt, auf dem es von Gewürzen, über Schmuck und Kleidung, bis hin zu Edelstahlware und Tempelzubehör alles gibt. Nichts, was man als eingefleischter Indien-Besucher nicht schon zu Genüge kennt. Abends jedoch verwandelt sich der Markt in einen Street Food Markt, oder sollte ich lieber Paradies für Foodies sagen?

Es kann schon sehr überwältigend sein – es ist eng, laut, unübersichtlich und von jeder Seite quatschen dich Standbetreiber an und werben um ihr Essen. Wenn man jedoch weiß, wie der Hase dort läuft, ist es ein absolut einzigartiges Erlebnis. In der Mitte des Marktplatzes gibt es Tische und Stühle und drum herum sind die Essensstände aufgebaut. Man muss wissen, dass man sich einfach irgendwo hinsetzen kann und bei einem beliebigen Kellner nach einer beliebigen Karte fragen kann. Die Betreiber kennen sich sowieso gegenseitig und helfen sich dann auch gegenseitig aus. Man kann also verschiedene Gerichte von verschiedenen Ständen bei ein und demselben Kellner bestellen, zur Not holt er jemanden vom spezifischen Stand deiner Wahl. Auch wen du bezahlst ist eigentlich egal – das Geld wird am Ende beim richtigen Standbetreiber ankommen.

Was das kulinarische Erlebnis angeht, ist für jedes Bedürfnis gesorgt. Es gibt indisches Essen, Chinesisch, Sandwiches, Eis und Süßes, und und und. Man kann direkt bei der Zubereitung zuschauen und sogar probieren. Am Ende muss man sich aber doch für etwas entscheiden und das setzt voraus, dass man sich erstmal einen Überblick verschafft hat.

Manek Chowk Street Food Markt in Ahmedabad Dosa
Manek Chowk Street Food Markt in Ahmedabad Kulfi
Manek Chowk Street Food Markt in Ahmedabad Pav Bhaji

Cafés

The Project Café

The Project Café in Ahmedabad außen

Das Project Café liegt in der Umgebung des Indian Institute of Management (IIM), wodurch die Gegend und das Publikum im Café, aber eben auch das Angebot sehr westlich inspiriert ist. Es gibt sogar richtigen Espresso dort, oder zumindest etwas, was dem italienischen Espresso schon sehr nahe kommt. Man kann dort auch tolle Kleidung und Produkte aus regionaler, fairer Produktion kaufen, die Preise sind allerdings auch für unsere Verhältnisse relativ hoch.

The Project Café in Ahmedabad Interior
The Project Café in Ahmedabad Capuccino
The Project Café in Ahmedabad Friederike

Turquoise Villa World Café

Turquoise Villa Café in Ahmedabad Interior

Auch das Turquoise Villa World Café liegt in der Nähe des IIM. Auch hier kann man in klimatisierten Räumen dem Chaos und der Geräuschkulisse der Straße entkommen und entspannen. Es gibt englisch/amerikanisches Gebäck und Eiskaffee. Natürlich wird auch hier handgemachte Ware verkauft, ebenfalls zu höheren Preisen.

Turquoise Villa Café in Ahmedabad Kasse
Turquoise Villa Café in Ahmedabad außen

The Dark Roast Café

Dark Roast Café in Ahmedabad

Im Dark Roast Café waren wir im Anschluss an den Ausflug zum Sarkhej Roza. Im Südwesten der Stadt gelegen, zieht es vor allem die Angestellten der in Prahlad Nagar angesiedelten europäischen und amerikanischen Software-Firmen zur Mittagspause an.

Restaurants

House of MG

House of MG Restaurant außen

Mahatma Gandhi, kurz „M.G.“ ist namensgeber dieses historischen Hotels der gehobeneren Art. Ich muss an dieser Stelle sagen, dass ich nicht ganz überzeugt war vom indischen Essen. Es ist stark an den westlichen Geschmack angepasst. Also weniger scharf, weniger „spicy“, insgesamt nicht ganz so authentisch. Allerdings ist das Ambienthe unschlagbar. Wer abseits vom Trubel und dem Lärm der Stadt nach einer Oase der Ruhe sucht, der wird hier fündig. Eine tolle, begrünte Anlage läd zum Entspannen und zu einem heißen Chai ein.

House of MG Restaurant Eingang
House of MG Restaurant Pflanzen

Jassi de Parathe

Es gibt mehrere Filialen von Jassi de Parathe in Ahmedabad. Ich kann hier nur von dem beim Vastrapur Lake Garden berichten, aber den Fotos nach zu urteilen haben sie alle eine schönes Ambiente – und die gleiche Speisekarte. Wie der Name verrät, gibt es dort hauptsächlich Paratha (gefülltes Brot) in vielen verschiedenen Variationen mit leckeren Beilagen und Chutneys.

Gordhan Tals

Eine sehr bekannte Adresse für authentisches Gujarati Thali. Ein wenig seltsam war es schon – als wir reinkamen wurden wir sofort vom Chef persönlich begrüßt und er wollte mit uns ein Selfie nach dem anderen machen. Das ist nichts Neues für uns gewesen, aber wir haben im Vergleich zu den indischen Gästen eine absolute Sonderbehandlung und viel zu viel Aufmerksamkeit bekommen, was uns dann doch ein wenig unangenehm war. Dafür war das Essen so unglaublich gut, dass wir fast nicht aufhören konnten. Nach sage und schreibe 30 Minuten waren wir fertig und zum Platzen voll. Nächstes Mal werden wir uns ein bisschen zusammen reißen, uns mehr Zeit nehmen und genießen statt schlingen. Spricht aber trotzdem für das Essen, oder?

Gordhan Thals in Ahmedabad Essen

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